Annas Kumpel Tobi spielte den Grillmeister und verteilte entsprechend an die Gäste Würstchen, Schnitzel und Bauchfleisch – außer an Sandy, die Vegetarierin war und sich aus diesem Grunde mit Tzatziki und Reissalat begnügte, die Anna am Vormittag frisch zubereitet hatte.
Die Party-Stimmung war trotz der Schwüle auf dem Höhepunkt. Einziger Wermutstropfen war, dass auch Annas Nachbarin aus dem Erdgeschoss mit ihrem Freund im Garten saß und Kaffee trank – die Nachbarin selbst war zwar recht nett, aber leider konnte man dasselbe nicht von ihrem Typen behaupten. Obwohl er noch nicht mal im Haus wohnte, benahm er sich wie der Sheriff von der Schweriner Straße und nervte seine Umwelt mit seinem ewig schlecht gelaunten Gesichtsausdruck. Das wurde auch nicht besser, wenn er den Mund öffnete und sich über irgendwelche Nebensächlichkeiten echauffierte, eher im Gegenteil. Wenn Anna allein oder mit Freunden im Garten saß, bekam sie jedes Mal die Krise, denn der Kerl kommandierte seine Freundin rum wie eine billige Dienstmagd und die ließ sich das auch noch gefallen, ohne sich auch nur einmal zur Wehr zu setzen.
Auch jetzt zeichnete sich der Typ wieder durch das Benehmen einer offenen Hose aus, denn er ranzte Annas Nachbarin an: „Aschenbecher!“ Das Wort „Bitte“ und/oder ganze Sätze schienen für ihn einfach nicht möglich zu sein, offensichtlich gefiel er sich in seiner Rolle als chronisch schlecht gelaunter Menschenschinder. Sowohl Anna als auch ihre Freunde wurden unruhig angesichts der Tatsache, dass sie sich wieder nicht gegen diese Unverschämtheit wehrte, sondern stattdessen unterwürfig säuselte: „Klar, warte, ich hol eben einen von drinnen!“ Sie sauste schnell ins Innere des Hauses. Alle schüttelten den Kopf über soviel Unterwürfigkeit und schlechtes Benehmen, wobei der Kerl sie ohnehin alle missbilligend betrachtete – das junge Pack trug Shorts, kurze Röcke, T-Shirts und Tops und das ging ja mal gar nicht. Überhaupt gefiel es ihm nicht, dass Anna auch männliche Party-Gäste hatte – schlecht ist eben, wer schlecht denkt.
Die Sonne war mittlerweile hinter einer grauen Wolkenschicht verschwunden, aber trotzdem schien es noch schwüler zu werden. Als Marie einen Blick nach oben richtete, stupste sie die neben ihr sitzende Anna an, denn in den Wolken hatte sie das Bruchstück eines Regenbogens entdeckt. In aller Regel deutete dies auf ein Gewitter in den nächsten zwei bis sechs Stunden hin, aber bis dahin würden sie ohnehin mit Grillen fertig sein.
Obwohl es sich von Süden her zusehends dichter bewölkte, kühlten alle ihre Füße in dem Planschbecken, das Anna morgens aufgeblasen und mit Wasser gefüllt hatte. Von dem schlecht gelaunten Meckerfritze mit seiner unterwürfigen Trulla nahmen sie einfach keine Notiz mehr, denn die Stimmung war gut und die würden sie sich bestimmt nicht von einem missliebigen, selbst ernannten Sheriff vermiesen lassen. Zwei Rotkehlchen, die in einem Strauch an der Mauer zum Nachbargrundstück saßen, sorgten für makabere Heiterkeit, denn die beiden kleinen Vögelchen trällerten aus voller Kehle die Titel-Mel
[...]
|
|||||||||||



